Schottland / Knoydart- Trail (Kintail- Trail) mit Lorenz Mai 2015

 

 

Die Knoydart- Halbinsel wird oft als "letzte Wildnis Großbritanniens" bezeichnet. Der Knoydart- Trail durchquert diese über eine Strecke von 100 Km (ohne Markierung, oft weglos).

Wir teilten die Tour in 7 Etappen auf. Ausser ev. in Inverie gibt es keine Möglichkeit, Lebensmittel zu kaufen. D.h.  zusammen mit Zeltausrüstung 20 Kg-Rucksäcke.

Eine gute Beschreibung findet sich in dem Outdoor-Führer "Schottland/ Western Highlands" (ISBN 978-3-86686-191-6)

 

 

       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       

Tagebuch

13.05.     

Anreise Berlin mit Bahn, Übernachtung bei meinem Sohn Lorenz

 

14.05.     

Abflug Berlin 14:10, Ankunft Glasgow 16:30. Übernachtung im Hotel Premier Inn, abends gehen wir schottisch essen.

 

15.05.     

Abfahrt Bus in Glasgow um 07:00, Ankunft Shiel Bridge kurz vor 12:00. Shiel Bridge besteht aus einem Campingplatz und einem Laden. In letzterem kaufen wir noch ein paar Sachen ein. Beim Packen der Rucksäcke fängt es an zu regnen- und wird bis zum Abend auch nicht mehr aufhören.

Trotzdem schaffen wir die geplante erste Etappe bis zu der Suardalan Bothy. Wir sind froh, im strömenden Regen kein Zelt aufbauen zu müssen. Die Bothy ist ein vor langer Zeit verlassenes Bauernhäuschen, so hergerichtet, dass man dort übernachten kann. Es gibt Bretterböden als Schlafplatz, sonst nichts- keine Toilette, kein Ofen, kein Wasser, kein Licht. Wir sind zum Glück allein hier, können kochen und kriechen bald in die Schlafsäcke.

 

16.06. Suardalan Bothy – ca. 2 Km hinter Kinloch Hourn.

Lange Etappe mit einigen Furten. Immer entlang einer Hochspannungsleitung. Wir passieren nach 478 Hm Anstieg den Bealach Aoidhdailean-Pass. Es ist kalt, stürmisch und regnerisch - gelegentlich hagelt es auch.

Nach einer Furt machen wir in einer Ruine kurz Mittag, bis uns der Regen wieder weitertreibt.

Nach einer weiteren, grösseren Furt geht's zum Teil auf Fahrspuren weiter bergab. Dann folgt ein längerer, steiler Gegenanstieg auf eine Hochebene. Dort scheint kurz mal die Sonne auf die schöne, einsame Landschaft. Durch einen Wald geht's endlich steil hinunter nach Kinloch Hourn, welches eigentlich unser Tagesziel ist.

Wir treffen dort auch John, bei dem's laut Führer ein B+B gibt. Der will uns aber nur zum Wucherpreis Zimmer vermieten. Wir sagen "danke" und gehen weiter.

Bald kommen wir auf den langen Treck entlang des Loch Hourn- eine der schönsten Strecken der Tour. Der Treck ist ein alpiner Pfad, sehr sumpfig, geht bergauf –bergab, anfangs immer dicht entlang des Ufers.

Circa 2 Km nach Kinloch Hourn finden wir einen sehr schönen Zeltplatz. Dies war mit anstrengenden 20 Km Länge eine anspruchsvolle Etappe!

Mit dem Geräusch des prasselnden Regens schlafen wir schon früh am Abend ein.

 

17.05. 2 Km hinter Kinloch Hourn – Barisdale.

Da diese Etappe nur 10 Km lang ist und es am Morgen pausenlos regnet, bleiben wir bis 11:00 h in den Schlafsäcken- gesamt 16 Stunden seligen Schlummers!

In kurzen Regenpausen packen wir zusammen und bringen die sumpfige, bergige Etappe bis ca. 16:00 h hinter uns.

In Barisdale (2 Häuser) gibt's eine Luxus- Bothy- mit Licht, Toilette und Wasser. Da es ohne Ende regnet, nehmen wir diese gerne in Anspruch. Ein schottisches Ehepaar und ein Ire sind mit von der Partie.

 

18.05.  Barisdale – Inverie.

Regen, Nebel, Kälte und Neuschnee auf den Bergen. Wir starten in einer kurzen Regenpause. Bald beginnt der Anstieg zum 500 m hohen Mam Barisdale- Pass, der uns mit einer 5-minütigen Sonneneinlage begrüsst. Der Abstieg ist extrem nass und sumpfig.

2 Km vor Inverie, am Kreuz des Brocket- Denkmals finden wir am morgigen Abzweig einen perfekten Zeltplatz. Da es aber erst 15:00h  ist, beschliessen wir- trotz müder Füsse- noch Inverie zu besuchen. Heute nachmittag ist es sonnig und warm- erst in der Nacht wieder Regen.

In Inverie (7 Häusser, Zugang nur per Boot) herrscht reger Autoverkehr! (Ca. 5 Fahrzeuge, die sich auf einer Piste von 10 Km Länge bis Airor austoben können). Aber wichtiger für uns: es gibt ein Postoffice mit Laden! Und es ist offen! (was nicht jeden Tag der Fall ist). Wir kaufen Getränke und Süssigkeiten für den Abend.

Dann aber besuchen wir "the remotest Pub on The British Mainland", genannt "Old Forge". Dort geniessen wir bestes schottisches Essen, Pints of Ale und- natürlich- unsere ersten schottischen Single Malt- Whiskies. Ich fasse sofort den Entschluss, mich um diese bald intensiver kümmern zu wollen!

Leicht angeheitert schaffen wir auch den Anstieg zurück und kommen am noch sonnigen Abend bei unserem Zeltplatz an.

Lorenz wagt an einem kleinen Bach eine Fusswaschung. Nachdem diese erfolgreich verlief, liessen wir eine Vollwaschung folgen.

Noch eine schöne Stunde vor'm Zelt, dann wird's kalt und wir kriechen in's Zelt.

 

19.05. Inverie – Sourlies Bothy.

In der Nacht wieder Regen. Wir versuchen, unser Zeug einigermassen trocken einzupacken.

Heute starten wir früh zum langen, aber leichten Passanstieg auf den Mam Meadail. Anfangs führt ein schöner Pfad durch ein romantisches enges Tal. Bald wieder starker Regen während des gesamten Anstiegs, am Pass dann kräftiger Hagel.

Einigermassen sanfter Abstieg in's Schwemmland des River Carnach. Wir müssen diese ca. 1 Km lange Sumpf- und Moorstrecke irgendwie durchqueren. Wir schaffen dies im Zickzack- Kurs unter Ausnützung jedes erreichbaren Sumpfgras- Polsters. Irgendwann sind wir am anderen Ufer, der Weiterweg bis zur Sourlies Bothy ist wieder einfacher.

Dort angekommen scheint gerade die Sonne und wir schlagen schnellstens unser Zelt auf perfektem Naturrasen auf.

In der Bothy sind 2 Deutsche, die später am Strand des Loch Nevis kiloweise Muscheln sammeln und uns um Hilfe beim Verzehr derselben bitten. In meinem gesamten Leben zusammengenommen habe ich nicht soviel Muscheln gegessen, wie an diesem Abend.

Aus strömendem Regen kommen später noch 3 durchnässte Schotten in die Hütte- wir sind froh, unser Zelt aufgestellt zu haben- mit 5 Personen ist die Bothy eindeutig überbelegt!

 

20.05. Sourlies Bothy – Strathan.

Regen die ganze Nacht. In einer kurzen Regenpause packen wir und starten gegen 10:00 h.

Der Aufstieg zu den Mehrfach- Pässen ist der längste und schwierigste der gesamten Tour. Es ist extrem matschig und nass, meist ist kein Pfad zu erkennen. Das Furten des Finiskaig- Rivers auf die leichtere andere Seite ist wegen der Wassermassen und der starken Strömung unmöglich.

So kämpfen wir uns auf der linken Seite so weit als möglich hoch und finden dann tatsächlich eine Möglichkeit für die Flussquerung. Auf der anderen Seite geht's dann viel länger als von Lorenz geschätzt hoch, bis wir den ersten Pass erreichen.

Dort starker Wind, aber kein Regen mehr. Gelegentlich lässt sich sogar die Sonne blicken.

Der Abstieg durch's Tal des Dessary- Rivers zieht sich über ca. 8 Km dahin, rechts sehen wir die A'Chuil Bothy, die wir aber liegen lassen, um den Spuren und später Pfaden bis Strathan zu folgen.
(Strathan ist ein unbewohntes Farmhaus).

Nach dieser langen Etappe schlagen wir am Ufer des River Pean
auf superebenem Kurzrasen unser Zelt auf. Die Sonne scheint noch zum Kochen und Antrocknen der Ausrüstung, zum Essen müssen wir aber wegen einsetzendem Starkregen in's Zelt flüchten.

 

21.05.      Strathan – Glenfinnan.     

Auf zur letzten, langen und schweren Etappe!

Es regnete die ganze Nacht hindurch und wird weiterregnen den ganzen übrigen Tag lang!

Im Anstieg eine schwierige Furt über den Allt Cuirnean, riesige Wassermassen strömen die Hänge herunter. Jeder Schritt bedeutet waten durch tiefen Sumpf- eine anstrengende Übung!

Dann der Streap- Sattel und der folgende Abstieg in's Tal des River Finnan. Immer wieder müssen wir den strömenden Bächen am Hang ausweichen.

Bereits in Sichtweite des Schotterwegs noch eine heikle Stelle bei der Umgehung eines Bergrutsches.

Endlich sind wir auf der langen Schotterpiste, später erreichen wir die Asphaltstrasse, die nach Glenfinnan führt.

Plötzlich erscheint der berühmte Viadukt, den wir uns viel grösser und höher vorgestellt hatten. Noch 2 Km Spazierweg bis zum Ort. Dort gibt's 2 Hotels- beide sind voll.

Man vermittelt uns aber ein 2 Km entferntes B+B, die Wirtin ist so nett und holt uns ab. Das Zimmer ist super, die Dusche warm. Wir sind total durchnässt angekommen und können nun über den warmen Heizkörpern unser Material zum Trocknen aufhängen.

In der Zwischenzeit hat die Wirtin uns ein prima Abendessen gekocht.

So geht dieser anstrengende, nasse Tag doch noch auf angenehmste Weise zu Ende.

 

22.05.      Glenfinnan – Glasgow.

Nach einem kräftigen schottischen Frühstück bringt uns die Wirtin
zum Bahnhof.

Bevor unser Zug kommt, trifft der historische Dampfzug ein mit seinem luxuriösen Speisewagen.

Mit unserem neuzeitlichen Zug fahren wir bis Fort William.

Wegen dem schlechten Wetter muss leider die anvisierte Besteigung des Ben Nevis, des höchsten Bergs von Schottland, ausfallen.

Ersatzweise besuchen wir die 2 Km ausserhalb der Stadt liegende Whisky- Destillerie Ben Nevis. Die Führung ist mässig, der Whisky hervorragend- ich nehm eine Flasche mit!

Mit dem Bus fahren wir durch die schönen Landschaften der südwestlichen Highlands, am langen Loch Lomond vorbei, zurück nach Glasgow.

Dort kommen wir nach 20:00 h an. Unser Hotel ist ausgebucht, das dort abgeholte zürückgelassene Gepäck ist sauschwer und es beginnt zu niesseln.

Ich bin geneigt, im Hollyday In für 170.- Pfund (für ein EZ mit Couch) einzuchecken. Lorenz ist dagegen. Also bleib ich beim Gepäck und er geht auf Suche. Tatsächlich findet er ein 5- Sterne- Hotel mit freier Suite für 130.- Pfund.

Zum Abendessen in der City reicht's auch noch gerade so. Dann feiern wir in einer echt schottischen Whisky- Bar mit einigen Laphroaigs, Taliskern, Kilchomans und Machir Bays das Gelingen unserer Tour. Der Rückweg zum Hotel ist extrem steil!

Wir besuchen dann noch Edinburgh und reisen von dort zurück in die Heimat.

Fazit: trotz bescheidenem Wetter eine tolle Trekkingtour und eine interessante Reise.